In den 2000er Jahren erlebten Comic-Verfilmungen einen neuen Boom, vor allem mit einem Blick auf die Superhelden von Marvel und DC. Spider-Man, Iron Man und natürlich The Dark Knight: Ohne all diese Filme sähe die aktuelle Blockbuster-Landschaft vermutlich ganz anders aus. Dazwischen gab es jedoch auch Ausreißer.
Einer dieser Ausreißer ist V wie Vendetta. Der Sci-Fi-Thriller von 2005 geht auf eine Vorlage von Alan Moore zurück, der auch hinter Watchmen steckt. Niemand Geringeres als die Wachowski-Schwestern zeichneten die Adaption verantwortlich, während ihr langjähriger Regieassistent James McTeigue die Inszenierung übernahm.
Heute im TV: V wie Vendetta läuft um 23:10 Uhr auf ProSieben. Mit Werbung geht die Ausstrahlung bis 01:40 Uhr. Die Wiederholung folgt in der Nacht auf Montag um 01:45 Uhr. Hier findet ihr alle Streaming-Optionen zum Film.
V wie Vendetta entführt in ein dystopisches London
Die heutige TV-Ausstrahlung ist die perfekte Möglichkeit, um zu dieser starken Comic-Verfilmung zurückzukehren, die im Angesicht der deutlich populären Vertreter des Genres doch oft hinten runterfällt. Wir können euch das aufwühlende wie mitreißende Werk mit Natalie Portman und Hugo Weaving in den Hauptrollen nur ans Herz legen.
Die Geschichte von V wie Vendetta ist im Großbritannien der Gegenwart angesiedelt. Obwohl die Handlung in den 1990er Jahren spielt, finden wir uns in der Adaption im Jahr 2000 wieder. Die Prämisse ist jedoch sowohl im Film als auch im Comic dieselbe: Das Land wird von dem autokratischen Großkanzler einer faschistischen Partei angeführt, der alle Andersdenkenden systematisch unterdrückt.
Dieses totalitäre Regime kommt etwa durch strenge Ausgangssperren zum Ausdruck, während die Medien aus Regierungskreisen gesteuert werden. Eine erschreckende Dystopie: Hier wird Ordnung und Sicherheit versprochen, doch am Ende herrscht nur die Angst. Dementsprechend sind es düstere, einengende Bilder, die V wie Vendetta bis zur letzten Sekunde dominieren – ein klaustrophobisches Gefühl.
Der unbekannte Rächer hinter der Guy Fawkes-Maske
In dieser grausamen Welt findet sich die von Natalie Portman verkörperte Protagonistin Evey Hammond wieder, ehe sie von dem vigilanten Rächer V (Hugo Weaving) gerettet bzw. entführt wird. Hinter einer Guy Fawkes-Maske versteckt sich ein Fremder, der am 5. November das House of Parliament in die Luft sprengen will. Fortan verbringen wir sehr viel Zeit in seinem Versteck, in dem er Evey als Gefangene hält.
Abseits von den politischen und gesellschaftlichen Konflikten, die V wie Vendetta verhandelt, gestaltet sich die Begegnung dieser zwei Menschen auf engstem Raum als einer der fesselndsten Bestandteile des Films. Das Drehbuch der Wachowskis fokussiert sich insbesondere darauf, die komplexe Machtdynamik zwischen den beiden auszuloten und geht dabei sicherlich nicht den einfachen, bequemen Weg.
Die Konfrontationen fallen zumeist schmerzlich aus, was nicht zuletzt auf die Gegensätze der Figuren zurückzuführen ist. Auf der einen Seite ist da dieser Mann, dessen wahres Gesicht wir niemals sehen. Eine unheimliche Gestalt, die schreiend aus den Flammen gestiegen ist, sich in die Einsamkeit zurückgezogen hat und jetzt einen Racheplan ausbrütet, der ganz London in seinen Grundfesten erschüttern wird.
Tränen markieren den besten Moment in V wie Vendetta
Auf der anderen Seite steht Evey, die alle Emotionen in ihrem Gesicht balanciert und im überwältigendsten Moment des Films mit Tränen der Freiheit des Regens begegnet. All diesen Kontrasten zum Trotz gelingt es V wie Vendetta, beide Figuren zusammenzuführen – nicht nur auf einer erklärenden Handlungsebene, sondern ebenso im Hinblick auf die filmische Form, die den Schmerz für uns (be-)greifbar macht.
Auf den ersten Blick sind es die Bilder des explodierenden Parlaments zu den Klängen von Tschaikowski, mit denen sich V wie Vendetta ins Gedächtnis brennt. Der deutlich einnehmendere Teil des Films spielt sich jedoch vergleichsweise unscheinbar zur fantastischen Musik von Dario Marianelli ab und baut ganz und gar auf das herausragende Zusammenspiel von Natalie Portman und Hugo Weaving.
Dieser Artikel wurde erstmals in ähnlicher Form im August 2022 bei Moviepilot veröffentlicht.
Source:
www.moviepilot.de






