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George Lucas hat eine besondere Version von Star Wars: Episode II erstellt, die seit 23 Jahren niemand gesehen hat

Wenn es um die verschiedenen Versionen der Star Wars-Filme geht, liegt der Fokus meistens auf der Original-Trilogie, die von George Lucas in den 1990er Jahren massiv überarbeitet wurde, um sie näher an seine kreative Vision heranzuführen. Was jedoch die wenigsten wissen: Auch von Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger existiert eine ganz besondere Fassung, von der fast jegliche Spur fehlt.

Im Mai 2002 startete der zweite Teil der Prequel-Trilogie weltweit in den Kinos und stellte uns erstmals Hayden Christensen als Anakin Skywalker vor, während Ewan McGregor und Natalie Portman in ihren vertrauten Rollen als Obi-Wan Kenobi und Padmé Amidala zurückkehrten. In einer Mischung aus Film noir und tragischer Liebesgeschichte erfahren wir den Beginn der Klonkriege – ein absoluter Mega-Blockbuster.

Von Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger existiert eine zweistündige IMAX-Version

Episode II sollte auf so viele Leinwände wie möglich laufen, auch im IMAX-Format. Das Problem: Der Film war überhaupt nicht dafür optimiert. Also musste Lucas nochmal in den Schneideraum, um mit seinem Team eine neue Version zu erstellen, die zwei wesentliche Veränderungen umfasst: das Seitenverhältnis und die Laufzeit.

Das Seitenverhältnis: Ursprünglich wurde Angriff der Klonkrieger im sehr breiten Seitenverhältnis 2,40:1 präsentiert, das man aus vielen Blockbustern kennt. Das typische IMAX-Format ähnelt jedoch mehr einem quadratischen Bild und kommt im Seitenverhältnis 1,81:1 daher, um jeden Winkel der Leinwand zu füllen.

Die Laufzeit: Wer Angriff der Klonkrieger regulär im Kino gesehen hat, bekam den Film in seinen vollen 142 Minuten zu Gesicht. Für die IMAX-Auswertung musste er auf eine Laufzeit von zwei Stunden gekürzt werden, da das IMAX-System aufgrund technischer Beschränkungen keine größeren Filmrollen abspielen konnte.

Ein alter Artikel von StarWars.com  erklärte vor dem Kinostart:

Ein IMAX-Projektor ist eine gewaltige Maschine und wiegt mehr als zwei Tonnen. Der riesige Teller, auf dem der übergroße Film läuft, kann nur eine begrenzte Filmlänge aufnehmen. Da die meisten Filme, die in IMAX-Kinos gezeigt werden, Dokumentationen mit einer Laufzeit von etwas mehr als einer Stunde sind, stellt das normalerweise kein Problem dar. Spielfilme müssen jedoch auf 120 Minuten gekürzt werden, da dies die maximale Filmlänge ist, die der Teller derzeit aufnehmen kann.

Die IMAX-Kopie von Angriff der Klonkrieger wog 390 Pfund (rund 177 Kilogramm) und hatte einen Durchmesser von 58 Zoll (rund 1,47 Meter). Schon damals arbeitete man an einer Möglichkeit, in IMAX-Kinos auch Filme mit einer Laufzeit von zweieinhalb Stunden zu zeigen. Inzwischen sind sogar drei Stunden möglich. Die reizte Regisseur Christopher Nolan mit seinem Oscar-Gewinner Oppenheimer vollständig aus.

Diesen Luxus konnte sich Lucas nicht leisten. Das Remastering von Episode II soll etwa 14 Wochen gedauert haben. Neben der Laufzeit und dem Seitenverhältnis wurde auch der Ton an die IMAX-Standards angepasst. Als weitere Herausforderung entpuppte sich die analoge IMAX-Kopie, denn Angriff der Klonkrieger war der erste Blockbuster, der komplett digital gedreht wurde. Hier waren weitere Anpassungen nötig.

Briann Bonnick, der ehemalige Chief Technology Officer (CTO) von IMAX, erklärte im bereits erwähnten Artikel von StarWars.com:

Ein digital gedrehter Film weist nicht die Filmkörnung auf, die wir aus der klassischen Filmfotografie kennen. Stattdessen treten Video-Noise-Artefakte auf. Zwei davon sind besonders auffällig: Zum einen können einzelne Pixel im Vergleich zu den umliegenden Pixeln leicht verfärbt erscheinen. Dadurch kann es zu einem dezenten Flimmern zwischen den einzelnen Bildern kommen. Zum anderen können kleine Gruppen von Pixeln ihre Farbe von Bild zu Bild minimal verändern. Das tritt meist in dunklen Bildbereichen auf und erzeugt einen Effekt, der ein wenig wie leichtes ‘Kochen’ oder Flimmern wirkt.

Verschollenes Star Wars-Erbe: Warum wir die IMAX-Version von Episode II niemals sehen werden

Nach dem regulären Kinostart im Mai 2002 lief die IMAX-Version von Episode II zwischen November 2002 und April 2003 in entsprechenden Spielstätten. Dort konnte der Film weitere 8,5 Millionen US-Dollar einspielen und sein Gesamteinspielergebnis auf 653,8 Millionen US-Dollar erhöhen, wie Box Office Mojo  zusammenfasst.

Doch was war jetzt wirklich anders? Eine vollständige Auflistung der Unterschiede gibt es leider nicht, da die IMAX-Version seit 23 Jahren nicht mehr öffentlich gezeigt wurde. Die Kopien dürften mittlerweile vernichtet worden sein – eine leider übliche Praxis. In den Tiefen des Internets lassen sich dennoch einzelne Beschreibungen der geschnittenen Szenen finden, zum Beispiel bei TheForce.net  und StarWarz.com .

Auffällig ist: Die IMAX-Version von Episode II hat vor allem Dialogszenen gekürzt, etwa direkt das erste Treffen mit Palpatine nach der Eröffnungssequenz oder die Ankunft von Anakin und Obi-Wan bei Padmé in Coruscant, inklusive des Wiedersehens mit Jar Jar Binks. Auch die romantischen Naboo-Passagen mussten offenbar sehr unter den IMAX-Einschränkungen leiden, während die Action überwiegend intakt blieb.

Mitunter heißt es, Episode II sei in dieser Fassung ein « strafferer, schlankerer und besserer Film » gewesen. Ob dieses Stück Filmgeschichte jemals wieder zugänglich gemacht werden wird, ist allerdings fraglich. Selbst wenn Angriff der Klonkrieger anlässlich eines anstehenden Jubiläums erneut in IMAX-Kinos aufgeführt werden sollte, ist davon auszugehen, dass dann der vollständige Film dort zu sehen sein wird.

Nicht zuletzt stellt die IMAX-Version von 2002 nur eine nischige Alternativversion dar, von deren Existenz selbst eingefleischte Star Wars-Fans kaum wissen. Anders ist es bei Krieg der Sterne, der nächstes Jahr zu seinem 50-jährigen Jubiläum wieder in der Version ins Kino kommt, in der er 1977 zu sehen war – also ohne die digitalen Überarbeitungen, die Lucas in den 1990er Jahren im Rahmen der Special Editions hinzugefügt hat.


Source:

www.moviepilot.de

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